Orthomol_Bilder_DM_Ausg_68_2608_UMWELT_1

06 Umwelt

Crowdfarming

Lebensmittel direkt von Erzeuger:innen

Draußen liegt Schnee, drinnen eine reife Mango auf dem Tisch. Exotisches Obst und Gemüse gehören längst zum Alltag in deutschen Küchen. Gleichzeitig wächst bei vielen Menschen das Interesse daran, woher Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Genau hier setzt das Konzept des Crowdfarmings an.

Orthomol_Bilder_DM_Ausg_68_2608_UMWELT_MANGO

Direkter, frischer, transparenter

Crowdfarming begann als Direktvertriebsmodell, bei dem Verbraucher:innen konkrete Bäume oder Ernten sozusagen adoptieren konnten. Man bestellte also nicht einfach eine Kiste Orangen, sondern wurde gewissermaßen Mitabnehmer einer konkreten Pflanze oder Fläche.

Mittlerweile ist das Modell breiter aufgestellt: Neben Patenschaften können auch klassische Obst- und Lebensmittelkisten direkt bei den Erzeuger:innen bestellt werden. Gemeinsamer Kern bleibt der direkte Kontakt zwischen Landwirtschaft und Kund:innen, ohne klassische Zwischenhändler. Durch die direkte Vermarktung können Früchte oft reifer geerntet werden und werden nach der Ernte direkt verschickt. Das macht sich häufig bei Geschmack und Frische bemerkbar.

Dass dieses Verfahren sicher und hygienisch einwandfrei ist, wurde im Januar 2024 forensisch durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Leipzig bestätigt. Im Vergleich zur energieintensiven Kremierung ist dies ein echter Durchbruch: Jede vermiedene Verbrennung spart etwa eine Tonne CO₂ ein.

Orthomol_Bilder_DM_Ausg_68_2608_UMWELT_2

Crowdfarming macht die Lebensmittelkette oft direkter, transparenter und planbarer.

Die Frage nach der Ökobilanz

Auch ökologisch betrachtet, klingt das zunächst wie ein Fortschritt. Kürzere Lieferketten können Verpackung reduzieren, Überproduktion vermeiden und den Transport besser planbar machen. Besonders das Thema Lebensmittelverschwendung spricht für das Modell: Beim Crowdfarming wird die Ernte häufig bereits im Voraus verkauft. Für die Landwirt:innen bedeutet das mehr Planungssicherheit, da schon vor der Ernte klar ist, welche Mengen abgenommen werden. Gleichzeitig sinkt der Druck, den strengen optischen Standards des Einzelhandels gerecht zu werden.

Zwischen Direktvermarktung und Nachhaltigkeit

Crowdfarming wird oft mit Orangen aus Spanien oder Mangos aus Übersee verbunden, weil die bekanntesten Plattformen so gestartet sind. Aber auch regionale Betriebe nutzen ähnliche Modelle, etwa mit Obstbaum-Patenschaften, Gemüsekisten oder der direkten Vorfinanzierung von Ernten. Gerade hier können die Vorteile für die Ökobilanz besonders groß sein, da neben dem Wegfall von Zwischenhändlern auch die Transportwege deutlich kürzer ausfallen. Denn eine Mango bleibt eine Mango und wächst meist weit entfernt von Europa. Selbst wenn der Zwischenhandel schrumpft, bleiben Transportemissionen bestehen.

Dennoch steht Crowdfarming für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und kann trotz seiner ökologischen Grenzen ein Beitrag zu mehr Transparenz und vielleicht auch zu einer anderen Wertschätzung für landwirtschaftliche Erzeugnisse sein.