02 Ernährung
Disziplin schützt kaum
vor Snacks

Neurowissenschaftler:innen aus England haben untersucht, warum wir bei Snacks schwer aufhören können – selbst wenn wir satt sind. Die Studie liefert einen Einblick in einige Mechanismen, die unser Verhalten unbewusst steuern. Der „innere Schweinehund“ sitzt demnach nicht im Bauch – sondern im Gehirn.
Unser Körper steuert Hunger und Sättigung normalerweise über Hormone. Sinkt der Blutzuckerspiegel, wird unter anderem das Hormon Ghrelin ausgeschüttet und signalisiert dem Gehirn: „Hunger! Iss was.“ Nach der Nahrungsaufnahme steigt der Blutzuckerspiegel, das Hormon Leptin zeigt den Füllstand der Energiespeicher im Fettgewebe und sendet Sättigungssignale.
Das System sorgt normalerweise dafür, dass das Interesse an Nahrung nachlässt, sobald genügend Energie aufgenommen wurde.
Forschende fanden aber etwas anderes: „Was wir beobachtet haben, ist, dass das Gehirn sich schlicht weigert, den Belohnungswert eines Lebensmittels herunterzustufen, ganz gleich, wie satt man ist“, berichtet Studienleiter Thomas Sambrook von der University of East Anglia. „Selbst wenn Menschen wissen, dass sie das Essen nicht mehr wollen, sendet ihr Gehirn weiterhin Belohnungssignale, wenn das Essen vor Ihnen steht.“
Keine Frage der Persönlichkeit
Das betrifft offenbar auch Menschen, die sehr zielgerichtete Entscheidungen treffen: In der Studie fand sich kein Unterschied bei der Gehirnaktivität von Testpersonen mit unterschiedlicher Entscheidungsstrategie. „Der Anstieg von Übergewicht hat nicht einfach etwas mit Willenskraft zu tun“, interpretiert der Forscher seine Ergebnisse. „Er zeigt vielmehr, dass unsere von Lebensmitteln überflutete Umwelt und unsere erlernten Reaktionen auf verlockende Reize die natürlichen Appetitkontrollen des Körpers überlagern.“
Satt bewerten wir Lebensmittel bewusst weniger attraktiv. Trotzdem reagieren unbewusste neuronale Prozesse weiterhin stark auf die Essensreize. „Das ist gewissermaßen ein Rezept fürs Überessen“, sagt Sambrook.
Und was bedeutet das im Alltag?
Nur auf Willenskraft zu setzen, wenn Du weniger Süßigkeiten oder salzige Snacks essen willst, scheint vor diesem Hintergrund eine schwache Strategie zu sein. Erfolgversprechender ist es, Dein Gehirn vor verführerischen Reizen zu schützen:
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Kaufe keine Snacks auf Vorrat, die Dich dann zu Hause „anlachen“.
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Kauf lieber kleine Packungen, auch wenn die im Verhältnis teurer sind. Mehr zu essen spart kein Geld und liefert zusätzliche Kalorien.
03
Lass Dich nicht von „Maximize“- oder „2-für-1-Angeboten“ verführen: An der Kinokasse kannst Du noch entscheiden, ob Du eine kleine oder große Tüte Popcorn essen willst – hast Du sie erstmal auf dem Schoß, wirst Du mit hoher Wahrscheinlichkeit alles „aufessen“.
04
Du kannst bei Snacks und Süßigkeiten den „Kalorienpreis“ ermitteln und bei Deiner Kaufentscheidung berücksichtigen. Eine Tüte Weingummi kostet vielleicht weniger als 1 Euro – hat aber 350 Kilokalorien.
05
Werbung für leckere Snacks wirkt auf Dein Gehirn – sieh besser nicht hin.
Außerhalb des Labors ist unser Essverhalten viel komplexer: Stress, Gewohnheiten oder soziale Situationen spielen eine entscheidende Rolle bei unseren Ernährungsentscheidungen.




